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Glossar: Eisenbahnbetriebswirtschaft

A

Auslastung allgemein

Verhältnis zwischen der tatsächlichen Belastung und der Nennleistung

Optimale Auslastung

Auslastung im Bereich zwischen etwa 80 % und 108 % wird als optimal aufgefasst und gewährleistet eine optimale Betriebsqualität

Geringe Auslastung

Auslastung unterhalb 80 %, gewährleistet eine Premiumbetriebsqualität

Hohe Auslastung

Auslastung zwischen 108 % und 115 %, bedeutet eine risikobehaftete Betriebsqualität

Zu hohe Auslastung

Auslastung über 115 %, Betriebsqualität ist mangelhaft

 

B

Betriebsqualität allgemein

Bemessung anhand der zu erwartenden außerplanmäßigen Wartezeiten. Je weniger Wartezeiten, desto besser die Betriebsqualität.

Betriebsqualität, Einflussgrößen

Verfügbare Infrastruktur, Belastung der Strecke

Betriebsqualität, Qualitätsstufen

Premiumqualität, wirtschaftlich-optimale Qualität, risikobehaftete und mangelhafte Qualität, siehe auch → Auslastung

Bemessung Eisenbahninfrastruktur

Erwartende Belastung gewährleistet eine wirtschaftlich-optimale Betriebsqualität

Betriebsprogramm

Beschreibung, welche Zugfahrten in welchem Gefüge auf einer bestimmten Strecke entweder derzeit stattfinden oder künftig erwartungsgemäß stattfinden werden. Eingangsgrößen für die Ermittlung von → Betriebsqualität und → Leistungsfähigkeit

Betriebsprogramm Inhalte

Eigenschaften der verkehrenden Züge (etwa Geschwindigkeit, Fahrdynamik, Laufweg, Verkehrshalte)

Anzahl der Züge mit bestimmten solchen Eigenschaften und deren tageszeitliche Verteilung

Zeitliches Gefüge der Züge, also die jeweiligen Anteile bestimmter Zugfolgefälle

 

E

EBWU

Eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchungen; beschäftigt sich mit der Untersuchung des Leistungsverhaltens und der → Leistungsfähigkeit der Eisenbahninfrastruktur. Ergebnisse sind eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchungen (EBWU)

EBWU Ergebnisse

Bemessung des Betriebsprogramms (z.B. durch Erstellung eines konkreten Fahrplans) zur Gewährleistung einer wirtschaftlich-optimalen Betriebsqualität

 

K

Kapazität:

Fahrwegkapazität

Bezugsobjekt ist ein Element der Eisenbahninfrastruktur (eine Strecke, ein Fahrstraßenknoten oder eine Gleisgruppe)

Netzkapazität

Bezug ist das gesamte, aus zahlreichen Strecken (Kanten) und Knoten zusammengesetzte Eisenbahnnetz

Die Erhöhung einer Streckenkapazität kann möglicherweise keinen Einfluss auf die Netzkapazität haben, wenn die angrenzenden Knoten mit einer deutlich geringeren Kapazität als Engpässe verbleiben.

 

L

Lebenszyklusoptimierung

Planung einerseits des Umfangs der Infrastruktur selbst, andererseits die Organisation der laufenden Maßnahmen (etwa Inspektionsintervalle, Häufigkeit von Instandhaltungsmaßnahmen) zur Minimierung der → Lebenszykluskosten, dass aber die Funktionstüchtigkeit der Anlage trotzdem gewährleistet ist.

Lebenszykluskosten

Baukosten der Anlage und laufende Kosten für Inspektions- und Instandhaltungsmaßnahmen

Leistungsfähigkeit

Kapazität der Eisenbahninfrastruktur, also eine mögliche Anzahl von Zügen innerhalb einer bestimmten Zeit

Praktische Leistungsfähigkeit

Berücksichtigung von Pufferzeiten, so dass eine Eisenbahnstrecke nicht bis zur physikalischen Grenze ausgelastet wird

Die Leistungsfähigkeit kann für ein bestimmtes Fahrplangefüge ausgewiesen werden (Fahrplanleistungsfähigkeit) oder fahrplanunabhängig und damit allgemeingültig für eine bestimmte Infrastruktur und ein bestimmtes Betriebsprogramm (infrastrukturbezogene Leistungsfähigkeit).

 

N

Nennleistung

Zahl an Zügen auf einer Strecke oder in einem Fahrstraßenknoten, die zur Einhaltung des Optimums aus → Betriebsqualität und der Streckenauslastung vertretbar ist und gefahren werden kann.

Sie ist eine Größe der infrastrukturbezogenen → Leistungsfähigkeit und gilt unabhängig vom konkreten Fahrplan, das heißt, sie ist nur abhängig von der Infrastruktur, von der Stärke und Zusammensetzung des → Betriebsprogramms und vom Verspätungsniveau der Züge.

 

V

Verfahren:

Analytische Verfahren

Begriff im Rahmen → EBWU. Für allgemeingültige und fahrplanunabhängige Aussagen zum Leistungsverhalten und der → Leistungsfähigkeit der Infrastruktur. Solche Verfahren eignen sich vor allem für die Untersuchung von Infrastrukturzuständen der ferneren Zukunft, da sie als Eingangsgröße zwar ein → Betriebsprogramm, aber keinen exakten Fahrplan, der in der Regel noch nicht bekannt ist, erfordern.

Konstruktive Verfahren

Begriff im Rahmen → EBWU; Konstruktion eines Fahrplans in Stufen: Zuerst Ermittlung des Zeitbedarfs für die einzelnen Zugfahrten; dann Bestimmung der zeitlichen Lagen, die Laufwege und ebenso die Fahr- und Haltezeiten der Züge, bis ein zulässiger Fahrplan vorliegt.

Simulative Verfahren

Auf der Basis eines bekannten Fahrplans Durchführung einer Betriebssimulation, Einspielung von Störungen und Verspätungen, statistische Auswertung der Auswirkungen auf den Betriebsablauf

 

W

Wartezeit

Der gleichzeitige Betrieb mehrerer Züge führt zu Behinderungen in Form von Fahrzeitverlängerungen. Einarbeitung entweder bereits in den Fahrplan (planmäßige Wartezeiten, beispielsweise im Zuge einer fahrplangemäßen Überholung eines Güterzuges) oder Entstehung erst im Betriebsablauf (außerplanmäßige Wartezeiten).

Höhe dieser Wartezeiten dient daher als Maß für die → Betriebsqualität – es gilt: je geringer die tatsächlich auftretenden außerplanmäßigen Wartezeiten, desto besser die Betriebsqualität.